Orgelnacht zur Eröffnung der 18. Göppinger Orgelwoche
historische Walcker-Orgel, St. Maria, Göppingen

Sonntag, 22. September 2013
St. Maria Göppingen, 19.00 Uhr

Eintritt : 10,00 Euro

Orgelkino – „Nathan der Weise“
Stummfilm von Manfred Noa, 1922,

Tobias Wittmann, Orgelimprovisation

Der knapp zweistündige Film "Nathan der Weise" ist bis heute die einzige Verfilmung des großen Lessing-Dramas. Der Regisseur Manfred Noa schuf einen Film von ungebrochener Aktualität. Tobias Wittmann wird dieses filmische Meisterwerk ganz in der Tradition der Stummfilmzeit mit bewegenden Orgelimprovisationen musikalisch untermalen und interpretieren.


Nathan der Weise - Deutschland 1922

Regie: Manfred Noa

Drehbuch: Hans Kyser, nach dem Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing

Kamera: Gustave Preiß, Hans Karl Gottschalk

Darsteller: Werner Krauß, Carl de Vogt, Fritz Greiner, Lia Eibenschütz, Bella Muzsnay, Margarete Kupfer, Rudolf Lettinger, Ernst Schrumpf, Ferdinand Martini, Max Schreck, Ernst Matray

Produktion: Filmhaus Bavaria GmbH, München

Premiere: 29. Dezember 1922, Alhambra Berlin

Zum Film:

Der 1922 entstandene Film NATHAN DER WEISE ist bis heute die einzige Verfilmung des großen Lessing-Dramas. Inszeniert wurde der Film von Manfred Noa, einem der talentiertesten jungen Regisseure der Weimarer Republik. NATHAN lief ab 1923 erfolgreich in deutschen und ausländischen Kinos und erhielt vielerorts spontanen Szenenbeifall, an anderen Orten war er schon bei der Premiere Ziel organisierter antisemitischer Propaganda. Nach 1933 verschwand der Film völlig aus den Kinoprogrammen. Erst 1996 wurde die einzig erhaltene Kopie des Films im Staatlichen Russischen Filmarchiv wiederentdeckt und 2006 im Filmmuseum München restauriert.
NATHAN DER WEISE ist eine der wichtigsten filmhistorischen Entdeckungen der letzten Jahre, ein exzellentes Beispiel für engagiertes Kino der frühen Filmgeschichte. Es ist kein Zufall, dass Regisseur und Produzent des Films Juden waren und dass gerade sie einen 'Film der Humanität' mit großer Breitenwirkung und einem Plädoyer für ein friedliches Zusammenleben der Religionsgemeinschaften und Völker schaffen wollten. Es entstand ein Film von ungebrochener Aktualität, der - die Inszenierung als Historienfilm mag das zunächst nicht vermuten lassen - einen durchaus modernen Blick auf Lessings 'Dramatisches Gedicht' aus dem Jahre 1779 wirft. Die Eckpunkte der Handlung bleiben dieselben, die Ring-Parabel steht im Mittelpunkt, der Appell am Schluss zur Toleranz ist da - und doch spricht aus dem Film eher Skepsis gegenüber der ordnenden Kraft menschlicher Vernunft und aufklärerischer Ideale. Noas Verfilmung lenkt den Blick auf die Gefährdungen von Lessings Toleranz-Utopie und thematisiert den Irrsinn der Glaubenskriege, in denen sich der Appell für Glaubensfreiheit fast als Wahnwitz ausnimmt (vgl. F.A.Z.-Kritik vom 21.08.2007).

Zur Handlung :

Der Film folgt der Vorlage von Lessings "Dramatischem Gedicht" und erzählt die Geschichte eines jüdischen Kaufmanns im Jerusalem des zwölften Jahrhunderts, als christliche Kreuzritter die Stadt belagern und gegen die ansässigen Muslime und Juden kämpfen. Zentral ist, wie im Theaterstück, die beeindruckende "Ringparabel".

Nathan hat seine gesamte Familie im Krieg verloren. In seinem Hause wächst als Adoptivtochter Recha auf, deren Herkunft niemand außer Nathan kennt. Sie stammt aus einer christlich-muslimischen Familie, da ihr verstorbener Vater, Bruder des regierenden Sultans, zum Christentum konvertiert ist. Bei einem Brand wird Recha von einem christlichen Tempelherrn gerettet. Doch dieser will den Dank Nathans nicht entgegennehmen, weil er Jude ist.

Sultan Saladin möchte indessen Nathan um Geld bitten. Unter dem Vorwand, seine Weisheit zu prüfen, fragt er ihn danach, welche Religion die einzig wahre sei. Nathan antwortet mit der berühmten "Ringparabel": Er erzählt die Geschichte von drei Söhnen, die alle drei im Besitz eines Rings sind, der besondere Macht haben soll. Der Ring steht hier für die Religion und die Toleranzidee, dass jede Religion auf ihre Weise einen Bezug zu Gott hat.

Inzwischen hat der Tempelherr sich in Recha verliebt und möchte sie heiraten. Doch wieder einmal stehen die verschiedenen Religionen im Weg ...


 


Seit November 2011 ist Tobias Wittmann als hauptberuflicher Kirchenmusiker an St. Fidelis Stuttgart tätig. Zugleich wurde er zum Regionalkantor für das Stadtdekanat Stuttgart und zum Diözesanbeauftragten für Musikalische Programmkonzeption in Liturgie und Konzert ernannt.

Seine Ausbildung absolvierte er an der Musikhochschule Stuttgart ab 2004: Kath. Kirchenmusik (A-Examen) und Instrumentalpädagogik in der Orgelklasse von Prof. Dr. Ludger Lohmann. Improvisation bei Prof. Hans-Martin Corrinth, Prof. Jürgen Essl und Domorganist Johannes Mayr. Dirigieren bei Prof. Johannes Knecht, Prof. Dieter Kurz und Prof. Richard Wien.

Seit 2011 Masterstudium Orgel-Improvisation bei Prof. Jürgen Essl und Domorganist Johannes Mayr.

Studium der Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Regelmäßige Konzerttätigkeit als Organist mit Literatur und Improvisation.


Regelmäßige Lehrtätigkeit in der diözesanen C-Ausbildung sowie bei musikalischen Werk- und Fortbildungswochen.

Während des Studiums Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Yehudi Menuhin Stiftung 'Live Music Now'.

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