Orgelnacht zur Eröffnung der 13. Göppinger Orgelwoche
am Samstag, 20. September 2008 in St. Maria, Göppingen

Samstag, 20. September 2008
20.00 Uhr - Eintritt 10,00 Euro

3 Konzerte im Stundentakt an der historischen Walcker-Orgel

Zwischen den Konzerten sind Pausen von 15 Minuten, in denen
ein Imbiss und Getränke eingenommen werden können.

 

 

 

 

 

 

 

Programmüberblick :

  1. 20.00 Uhr - 1. Konzert : Orgelhighlights
    Ulrich Klemm, Schorndorf, Orgel
  2. 21.00 Uhr - 2. Konzert : Mann singt ***aktualisiert***
    Bertram Geiger, Orgel, Männerschola Göppingen, Thomas Gindele, Leitung
  3. 22.00 Uhr - 3. Konzert : Klang und Licht
    Orgelmusik und Lasershow - Georg Enderwitz, Wangen i. A., Orgel, Creativ Media Systems GmbH, Göppingen, Lasershow

Programmdownload als PDF: Teil 1 Teil 2

Das Programm des Abends im Detail :

1. Konzert - Orgel-Highlights - 20.00 Uhr
Ulrich Klemm, Schorndorf, Orgel

Höhepunkte der Orgelliteratur präsentiert der vielfach ausgezeichnete Orgelvirtuose Ulrich Klemm aus Schorndorf.
Der Künstler schöpft die große Bandbreite der historischen Walcker-Orgel vom Pianissimo bis zum vollen Werk aus.
Außerdem gibt Ulrich Klemm eine Kostprobe seines großen improvisatorischen Könnens.

Ulrich Klemm
Geboren 1967 in St. Wendel (Saar). Bis 1986 studierte er privat bei Prof. A. Sellier (Klavier) und bei Prof. P. Schneider (Orgel). Nach ersten Auszeichnungen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ 1985, begann er seine Studien an der Musikhochschule des Saarlandes (Saarbrücken) in Kirchenmusik und Schulmusik mit Hauptfach Orgel bei Prof. A. Rothkopf und Prof. D. Roth (Paris). Weitere Studien an der Universität des Saarlandes in Musikwissenschaft, Pädagogik und Theologie vervollständigten seine Ausbildung. Zahlreiche Meisterkurse im In- und Ausland. Er erhielt mehrere Auszeichnungen bei internationalen Orgelimprovisationswettbewerben u.a. in Speyer, Regensburg, Hamburg (Finalist / 1996) und Schwäbisch Gmünd (1. Preis / 1999). Im Juni 2002 wurde Ulrich Klemm zum hauptamtlichen Kirchenmusiker an der Heilig-Geist-Kirche in Schorndorf und zum Dekanatskirchenmusiker für den Bezirk Schwäbisch Gmünd ernannt. Er konzertiert in Deutschland und im europäischen Ausland.

 

 

 

 

 Programm :

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) Toccata und Fuge d-Moll, BWV 532
Ulrich Klemm (* 1967) Passacaglia über drei Themen von Edgar Varèse
Johann Sebastian Bach Triosonate Nr. 6, G-Dur, BWV 530 1. Satz - Vivace
Flor Peeters (1903 – 1986) Suite Modale op. 43 ( Koraal (Choral) Allegro maestoso - Scherzo (Allegro) - Adagio - Toccata (Allegro)

Zu den Werken:

Während Bach als Schöpfer von Vokalmusik bald nach seinem Tod in Vergessenheit geriet, blieb er bis zu seiner „Wiederentdeckung“ im ausgehenden 19. Jahrhundert vornehmlich durch Werke für Tasteninstrumente als Komponist in Erinnerung. Unbestritten war seine Bedeutung als Organist. Er galt als der bedeutendste Organist überhaupt. Das berühmteste Orgelwerk schlecht hin ist wohl Bach’s d-Moll Toccata. Wobei die Autorschaft Bachs nicht einmal zweifelsfrei feststeht, denn das Werk ist nur in einer zeitgenössischen Abschrift von Johannes Ringk überliefert. Die Toccata steht aber stilistisch fast einzigartig da und es fällt schwer, dieses Werk jemand anderem als Bach zu zutrauen.

Bach’s 6 Triosonaten stammen aus den frühen Leipziger Jahren um 1723. „Bach hat sie“, schreibt der erste Bach-Biograph J.N. Forkel, „für seinen ältesten Sohn, Wilhelm Friedemann, aufgesetzt, welcher sich damit zu dem großen Orgelspieler vorbereiten musste, der er nachher geworden ist. Man kann von ihrer Schönheit nicht genug sagen.“ Bach’s Söhne konnten beim Einstudieren dieser Sonaten die Fähigkeit erwerben mit Händen und Füßen drei unabhängige und zugleich zusammengehörige Stimmen wiederzugeben – eine extreme Anforderung an die Koordinationsfähigkeiten eines Spielers. Die Triosonaten von J.S. Bach sind heute noch der Gradmesser für das Können eines Organisten.

Die 6. Sonate ist dasjenige Werk aus der Sammlung, das am meisten Fröhlichkeit, Unbeschwertheit und tänzerischer „Esprit“ ausstrahlt. Der erste Satz beginnt ungewöhnlich im unisono der Oberstimmen mit einem melodisch und rhythmisch einprägsamen Thema, das nach dem italienischen Concerto-Prinzip quasi im Wechsel zwischen Tutti und Solo verarbeitet wird.

Der in Antwerpen geborene Flor Peeters war ein hervorragender Organist, Pädagoge und Komponist. Er unterrichtete u.a. am Konservatorium seiner Geburtsstadt, dessen Direktor er auch von 1952 bis 1968 war. Daneben übte eine internationale Konzertätigkeit aus und war Hauptorganist an der Kathedrale in Mechelen.

Seine Suite Modale komponierte Peeters im Jahr 1938. Er lieferte damit einen aktuellen Beitrag zum Konzertrepertoire – als Gegenstück zu der damals viel gespielten „Suite gothique“ von Boellmann. Die Suite Modale besteht aus vier Sätzen, die sich in der Tonalität an die Kirchentonarten, den sogenannten Modi, anlehnen, daher der Name.

Der Eingangschoral ist ein effektvolles Akkordstück mit synkopisch geführtem Pedal.

Ein heiteres Stück in Form eines erweiterten Scherzos folgt als zweiter Satz (A-B-A-C-A-B-A). Es gibt dem Interpreten die Möglichkeit zu einer großen Auswahl gegensätzlicher Registrierungen.

Das Adagio besteht aus einer schlichten, klagenden Melodie, die, von seufzenden Akkorden umspielt wird.

Ein machtvolles Werk im französischen Stil ist die abschließende Toccata. Unter virtuosen Akkordbrechungen erklingt Anfangs das 1. Thema im Pedal (Bassstimme). Im Verlauf des Stückes wird ein 2. Thema eingeführt, das im Kanon zwischen Ober- und Unterstimme zu hören ist. Darüber hinaus erscheint das Anfangsthema regelmäßig wieder und leuchtet in der Schlußdurchführung in vollem Glanz auf.

 

 

2. Konzert - Mann singt - Orgel und Männerchor - 21.00 Uhr
Bertram Geiger, Dürnau, Orgel
Männerschola Göppingen
Thomas Gindele, Leitung

Die Göppinger Männerschola hat für dieses Konzert unter dem Motto „Mann singt“ zum Mitsingen eingeladen. Im Mittelpunkt steht eine Messvertonung des französischen Komponisten Jean Langlais für Männerchor und Orgel. Das Werk bezieht seine Themen aus der gregorianischen Antiphon „Salve Regina“ und begeistert durch archaische Anklänge an das Mittelalter. Bertram Geiger,, renommierter Organist aus Dürnau, ist Partner der Sänger und ergänzt das Programm durch solistische Orgelvorträge.

 

Männerschola
1992 von Dekanatskirchenmusiker Thomas Gindele gegründet. Sie hat sich der Pflege des Gregorianischen Chorals sowie zeitgenössischer geistlicher Musik verschrieben. Das Ensemble bezieht bei seiner Interpretation des Gregorianischen Chorals die Erkenntnisse der Semiologie (Neumenkunde) ein. In jüngster Zeit widmet sich die Schola auch vermehrt dem mehrstimmigen Gesang.


Die Uraufführung der Deutschen Messe von Rainer Maria Rückschloß sowie Aufführungen mit Werken von Petr Eben und Maurice Duruflé sind bedeutende Marksteine seit Bestehen des Männerensembles.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertram Geiger
geb. 1961 in Schwäbisch Gmünd - Herlikofen, ist Informatiker und arbeitet als Datenbankadministrator/Systemplaner bei T-Systems in Fellbach.
Seine musikalische Ausbildung begann mit 7 Jahren. Er studierte Orgel, Klavier, Querflöte, Cello und Gesang. Seit dem 12. Lebensjahr ständige Organisten- und Chorleitertätigkeit. Mehrjährige Tätigkeit als Dekanatskirchenmusiker.
Nach Theologie- und Philosophiestudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, erhielt Bertram F.J. Geiger seine Ausbildung zum Diplom-A-Kirchenmusiker und Diplom-Musiklehrer an der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Seine Dirigierausbildung lag bei Prof. Max Frey, München. Orgelstudien bei Prof. Klemens Schnorr, Martha Schuster und Katharina Lelovic.

 

 

 

 

 

 

Programm:

Orgelimprovisation über die gregorianische Antiophon „Salve Regina“
Gregorianische Antiphon „Salve Regina“ (Schola)
Jean Langlais (1907 – 1991) „Prélude“ für Orgel aus dem „Organ Book“
Jean Langlais, Missa „Salve Regina“ für Männerchor und Orgel (Kyrie - Gloria)
Jean Langlais „Flûtes“ für Orgel aus dem „Organ Book“
Jean Langlais, Missa “Salve Regina ” (Sanctus/Benedictus)
Louis Vièrne (1870 – 1937) “Communion” aus “Triptyque”, op. 58
Jean Langlais, Missa “Salve Regina” - Agnus Dei (mp3)
Orgelimprovisation und Versetten über den Gregorianischer Hymnus Ave maris stella (Schola)
Edvard Grieg (1843 – 1907) „Ave maris stella“ für Männerchor a cappella (bearbeitet von Thomas Gindele) (mp3)

Übersetzung der Texte:

Salve regina, Mater misericordiæ, Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit;

Vita, dulcedo, et spes nostra salve. unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!

Ad te clamamus, exules, filii Hevæ. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;

Ad te suspiramus, gementes et flentes in hac lacrimarum valle. zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.

Eia ergo, Advocata nostra, Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,

illos tuos misericordes oculos ad nos converte. wende deine barmherzigen Augen uns zu

Et Iesum, benedictum fructum ventris tui, und Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes,

nobis post hoc exilium ostende. zeige uns nach diesem Elend!

O clemens, O pia, O dulcis Virgo Maria. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

1. Ave maris stella, Dei Mater alma, atque semper virgo, felix caeli porta.
2. Sumens illud Ave Gabrielis ore, funda nos in pace, mutans Hevae nomen.
3. Solve vincla reis, profer lumen caecis, mala nostra pelle, bona cuncta posce.
4. Monstra te esse matrem, sumat per te preces, qui pro nobis natus tulit esse tuus.
5. Virgo singularis, inter omnes mitis, nos culpis solutos mites fac et castos.
6. Vitam praesta puram, iter para tutum, ut videntes Jesum semper collaetemur.
7. Sit laus Deo Patri, summo Christo decus, Spiritui Sancto, tribus honor unus.
Amen.

1. Sei gegrüsst, Meerstern, hehre Mutter Gottes und immer Jungfrau, glückliche Pforte des Himmels.
2. Die du empfängst aus Gabriels Mund das Ave, festige uns im Frieden, kehre Evas Namen um.
3. Löse die Fesseln den Schuldigen, schenke Licht den Blinden, vertreibe von uns das Böse, erflehe uns alles Gute.
4. Zeige dich als Mutter, möge durch dich unsere Bitten annehmen, der als dein Kind für uns geboren wurde.
5. Aussergewöhnliche Jungfrau, unter allen gütig, mache uns, von Schuld frei, gütig und lauter.
6. Gewähre reines Leben, bereite sicheren Weg, damit wir, Jesus schauend, immer uns freuen.
7. Lob sei Gott dem Vater, dem höchsten Christus Preis, dem Heiligen Geist Ehre, den Drei in einem. Amen.

Zu den Werken:

Das Programm folgt dem Aufbau einer Messe, wie sie vor der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils üblich war: Introitus (Vorspiel – Salve Regina, Kyrie, Gloria, Offertoire (Gabenbereitung), Sanctus/Benedictus, Elevation (Erhebung), Agnus Die, Communion (Ave Maris Stella), Sortie.

Die einzelnen Teile waren musikalische Begleitung der liturgischen Handlung.

Der Text der MARIANISCHEN ANTIPHON „Salve regina“ erscheint bereits im 11. Jahrhundert auf der Insel Reichenau und wurde möglicherweise von Petrus de Compostela († um 1002) verfasst. In Codex 390 der Stiftsbibliothek St. Gallen auf einem Zusatzblatt (12. Jh.) als Magnificatantiphon vom Fest Mariä Verkündigung überliefert, erlangte das „Salve regina“ unter dem Einfluss der Zisterzienser und Dominikaner allmählich einen festen Platz innerhalb des monastischen Stundengebets. So gehörtees schon 1218 zum täglichen Repertoire der Zisterzienser. Von den Dominikanern wurde es ab 1230 in Bologna, ab 1250 im gesamten Ordensbereich regelmäßig am Ende der Komplet gesungen. Diesem Brauch schlossen sich bald weitere Orden an.

Jean Langlais wurde am 15 Februar 1907 in La Fontenelle/Frankreich geboren. Der seit dem zweiten Lebensjahr erblindete Langlais studierte am Institut National de Jeunes Aveugles in Paris. Dort lernte er bei Albert Mahaut, einem Schüler von César Franck, und bei dem blinden Organisten André Marchal. Erste Erfolge waren Meisterklassenpreise im Pariser Konservatorium bei Marcel Dupré und Paul Dukas. Schließlich unterrichtete er selbst 40 Jahre lang am Nationalen Institut für junge Blinde. Zwischen 1961 und 1976 kam eine Professur für Orgel an der Schola Cantorum hinzu. Langlais erhielt zahlreiche Auszeichnungen und genoss international großes Ansehen als Improvisator und als Orgelpädagoge. Seine Orgelwerke zählen mit denen von M. Duruflé, J. Alain und O. Messiaen zu den meistgespielten der französischen Moderne.

Seine Missa „Salve Regina“, erstmals in Notre Dame, Paris, an Weihnachten 1954 aufgeführt, basiert auf Themen der gleichnamigen gregorianischen Antiphon. Die Musik ist sehr melodisch und farbig. Sie benützt sehr viele parallele Quint- Quart- und Oktavklänge, wie sie in der frühen mehrstimmigen Kompositionstechnik üblich waren. In Verbindung mit den gregorianischen Themen, klingt das Werk wie eine moderne Fassung mittelalterlicher Musik, strahlt feierlichen, archaischen Glanz aus.

Zwei Jahre nach der Messe entstand eine Sammlung mit zehn Orgelstücken, die unter dem Titel „Organ Book“ zusammengefasst sind. Daraus sind zwei Werke zu hören, Prélude und Flûtes. Diese beiden hübschen Miniaturen sind repräsentativ für Langlais Klangstil. Im Prélude benützt er raffinierte harmonische Verbindungen, die sich immer wieder auflösen. Flûtes ist ein freirhythmisches Stück, das mit den „Flötenklängen“ der Orgel spielt.

Louis Vierne, von Geburt an wegen grauen Stars beinahe blind, erhielt schon im Alter von sechs Jahren Klavierunterricht. In die gleiche Zeit datiert seine erste, ihn tief berührende Begegnung mit dem Klang der Kirchenorgel. Ab Oktober 1880 kam er zu dem blinden Klavierlehrer Louis Specht, der an der Pariser Institution Nationale des Jeunes Aveugles (Nationalinstitution für junge Blinde) unterrichtete. Als der junge Vierne zum ersten Mal César Franck (später für kurze Zeit sein Lehrer im Conservatoire) an der Orgel in Sainte-Clotilde hörte, war dies für ihn eine prägende Erfahrung: „Ich war fassungslos und geriet in eine Art Ekstase.“ Nach dem Tod Francks war es Charles-Marie Widor, der seine Ausbildung als Organist weiter förderte. Er ernannte ihn 1892 zu seinem Assistenten an der großen Cavaillé-Coll-Orgel in Saint-Sulpice. Mehrmals bei Bewerbungen übergangen, erhielt Vierne im Mai 1900 - von einer prominent besetzten Jury einstimmig gewählt - die Organistenstelle an der Kathedrale Notre-Dame, die er bis zu seinem Tod innehatte. In den zwanziger Jahren unternahm er, obwohl ihm solche Reisen eher eine Last waren, Konzerttourneen nach Europa, Kanada und in die USA, wo er als Komponist und Organist gefeiert wurde und Geld für die Renovierung und den Umbau seiner Orgel in Notre-Dame sammelte. Am 2. Juni 1937 gestaltete Vierne zusammen mit Maurice Duruflé ein Orgelkonzert in Notre-Dame. Beim Spiel einer Improvisation ereilte ihn ein Herzanfall, an dessen Folgen er kurz darauf starb.Die „Communion“ ist das mittlere Stück aus der Sammlung „Triptyque“. Der schlichte Satz ist geprägt von der Wiederholung wiegenliedartiger rhythmischen Muster und parallelen Klangverschiebungen. Es wurde 1930 für Viernes ordinierten Schüler und Freund Henry Doyen zur Begleitung der Kommunionausteilung dessen ersten in Notre-Dame gelesenen Messe geschrieben.

Der Hymnus Ave maris stella, verfasst von Ambrosius Autpertus (gest. 784) enthält am Anfang vier ehrende Anreden an Maria. In den folgenden Strophen stehen Bitten. Die Bezeichnung "stella maris" (Meerstern) hieß zuerst "stilla maris" und wollte das Hebräische mir iam (= Tropfen des Meeres) wiedergeben, womit man den Namen Maria (Miriam) erklärte.

 

3. Konzert - Klang und Licht - Orgelmusik und Lasershow - 22.00 Uhr
Georg Enderwitz, Wangen i. A., Orgel
Creativ Media Systems GmbH, Göppingen, Lasershow

Georg Enderwitz, Dekanatskirchenmusiker aus Wangen i. A., verbindet in seinem Programm große Werke der Orgelliteratur.
Als Besonderheit wird der Kirchenraum in zur Musik passenden Lichtstimmungen und Farben getaucht, die Raum und Klang zu einer Einheit werden lassen. Die Magie der Musik verbindet sich mit der Magie des Lichts.


Georg Enderwitz
Studium der Kirchenmusik an der Hochschule in Rottenburg von 1991-1995 bei Wolfram Rehfeldt und Gerd Kaufmann. Anschließend war er Assistent am Würzburger Dom bei Domorganist Paul Damjakob. An der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt am Main studierte er bei Daniel Roth, Paris, und legte 1999 das A-Examen ab. Von 1999 bis 2001 war er Kirchenmusiker an St. Jodok in Ravensburg und betreute dort ein umfangreiches kirchenmusikalisches Programm. Seit 2001 ist er Kirchenmusiker an St. Martin in Wangen im Allgäu. Neben der Leitung verschiedener Chorgruppen und der Aufführung großer Chorwerke organisiert er eine internationale Konzertreihe auf der Rieger-Orgel, bei der namhafte Konzertorganisten aus der ganzen Welt zu Gast sind.
Zusätzlich ist er als Dekanatskirchemusiker für die Fort-und Weiterbildung der Kirchenmusiker und der Nachwuchsorganisten in der Region Wangen verantwortlich. Als Bischöflicher Orgelsachverständiger betreut er Orgelprojekte im oberschwäbischen Raum.

 

Programm:

Edward Elgar (1857 – 1934) 1. Satz – Allegro maestoso aus der Sonate Nr. 1 in G-Dur, op. 28 (1893)
Marco Enrico Bossi (1861 – 1925) Scherzo in g-Moll, op. 49, Nr. 2 (mp3)
Guy Weitz (1883 – 1937) Orgel-Symphonie Nr. 1 I Regina pacis (Lento maestoso/Allegro moderato) II Mater dolorosa (Adagio ma con moto)
Charles Marie Widor (1845-1937) “Intermezzo” aus der 6. Symphonie, op. 42,6
Alexandre Guilmant (1837 – 1911) „Finale“ aus der Sonate Nr. 1 in d-Moll, op. 42

 

 

 

Zu den Werken:

Virtuose Orgelmusik der Romantik aus Europa beinhaltet das Programm von Georg Enderwitz. Dabei sind vielfältige Bezüge der Komponisten untereinander festzustellen. Widor war Lehrer von Guilmant. Weitz wiederum Schüler von Widor und Guilmant. Elgar und Bossi stehen für die englische und italienische Orgelschule ihrer Länder, für die sie beide prägend waren.

Elgar kann als der Nationalkomponist Englands bezeichnet werden. In seiner Jugend war die Orgel für ihn, der sich das Komponieren selbst beigebracht hatte, eine wichtige Quelle der Inspiration. Erste Erfahrungen sammelte er als Hilfsorganist seines Vaters in Worcester. 1885 wurde Elgar für 3 Jahre selbstständiger Organist an St. Georges in Worcester. Seine Orgelsonate in G-Dur entstand im Jahre 1895. Das Material hierfür entnahm er mehreren früheren Projekten.

Elgars Orgelschaffen nimmt sich neben den Ouvertüren und Symphonien, den Konzerten und Oratorien recht bescheiden aus, doch bilden die Werke einen zentralen Bestandteil des englischen Orgelrepertoires.

Die Sonate op. 28 ist mit ihrem heroischen Schwung und ihrer reichen Fortspinnungsmelodik typisch für den Elgar der frühen 1890er Jahre. Der Kopfsatz steht für eine Variante der Sonatensatzform, in der dem Hauptthema mehrer motivisch selbstständige Nebengedanken hinzugefügt werden.

Heiter und beschwingt, leichtfüßig rasch daherschreitend, mitunter launig, so gibt sich Marco Enrico Bossis Scherzo g-Moll. Einerseits ganz ursprünglich und traditionell, entspricht es andererseits der im ausgehenden 19. Jh. gewandelten, Stück verlieh. Der aus einer alten Organistenfamiliestammende Bossi war zu Lebzeiten nicht nur ein eifriger Komponist, sondern auch ein international gefeierter Organist. Das Scherzo entstand in den 1880 er Jahren, als Bossi Domorganist in Como war und sehr viel kirchliche Gebrauchsmusik komponierte. In diesem, von einem kurzen, eingängigen Sechzehntel-Motiv geprägten Stück hat der italienische Meister seine ganze poetische Virtuosität festgehalten.

Guy Weitz ist belgischer Abstammung; er wurde in Verviers geboren und studierte in Lüttich. Ein Stipendium ermöglichte dem Hochbegabten in Paris bei Guilmant und Widor Orgel sowie Komposition bei D’Indy zu studieren. Als die Deutschen 1914 in Belgien einmarschierten, emigrierte Weitz nach England. Dort wuchs sein Ruhm als Orgelspieler schnell, so dass er zum Organisten an Westminster Cathedral ernannt wurde. 1917 wurde er Organist der Farm Street Church, Mayfair und blieb es fünfzig Jahre lang. Weitz kompositorisches Werk orientiert sich an der Harmonik und Poesie von C. Franck, die er mit Virtuosität verbindet.

Jedem der drei Sätze der Orgelsymphonie liegt ein marianischer gregorianischer Gesang zugrunde. Keiner dieser Gesänge wird jedoch wörtlich durchgeführt, vielmehr spielt Weitz mit einzelnen Motiven, die er variierend fortspinnt. Der Kopfsatz beginnt mit einem Lento maestoso, das, indem es den Beginn der Antiphon dreimal unisono vorträgt, einer Anrufung gleichkommt. Das anschließende Allegro folgt in groben Zügen der Sonatenhauptsatzform; in ihrem Rahmen erprobt Weitz bei der Durchführung der an die Antiphon angelehnten Themen mit viel Fantasie die unterschiedlichsten, der französischen Improvisationskunst verpflichteten Begleitfiguren. Der zweite Satz ist ein dicht gewobenen, hochchromatische, rhythmisch komplexe, sich zu einem dramatischen Höhepunkt steigernde Meditation über die Marianische „Schmerzens-Sequenz“.

Charles Marie Widor, französischer Organist und Komponist, wirkte u.a. 65 Jahre an St. Sulpice in Paris . Im Jahre 1891 folgte er César Franck als Professor für Orgel am Pariser Konservatorium nach und später auch als Professor für Komposition. Unter seinen Kompositionen finden sich 10 Sinfonien für Orgel. Er komponierte ebenso Opern, Kammermusik, Orchester-Suiten, und Klavierkonzerten. Er gilt als „Vater der Orgelsymphonie“ und bildet eine große Zahl hervorragender Organisten und Komponisten aus. Das „Intermezzo“ stammt aus Widors 6. Orgelsymphonie, die er zur Einweihung der einstmals berühmten Orgel des Pariser Trocadéro Palastes schrieb und von ihm selbst uraufgeführt wurde. Der Satz ist in ABA Form geschrieben. Aufgeregte, nahezu peitschende, staccato gespielte Arpeggienfiguren stehen in Kontrast zu einem trioartigen strukturierten Mittelteil von beschaulichem Charakter.

Guilmants Orgelsonaten folgen in formaler und stilistischer Hinsicht klassischen Mustern.

Die Sonate d-Moll wurde 1874 veröffentlicht und ist bis heute eines der beliebtesten Werke des Komponisten. Das Finale der 1. Sonate ist im neobarocken Toccatenstil geschrieben. Es stellt eine Perpetuum-mobile-Bewegung, die an das Fugenthema der Toccata d-Moll von Bach erinnert, und ein Choralthema einander gegenüber, deutet eine Verbindung der beiden Elemente an und schließt in Grand Choeur-Registrierung mit Doppelpedal und bombastischen Fanfaren in Dur.

 

 

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